Tradition schießt keine Tore….

18:15

Hässliche Plakate und Gesänge brachte den Fans von Borussia Dortmund ein gewisses Unverständnis entgegen. Wann? Beim Gastauftritt in Mannheim, als die gastgebenen Hoffenheimer den BvB mit 4:1 besiegen konnten. Die unpopulären Plakate und beleidigende Gesänge trafen Hoffenheim-Präsident Dietmar Hopp mitten ins Mark, denn einzig und allein ihm galten sie. Gegen einen Plakatisten wollte er strafrechtlich vorgehen, zog seine Klage jedoch zurück.

Doch warum entläd sich die geballte Wut gegen Dietmar Hopp und “seiner” TSG Hoffenheim und von wem? Ist doch klar warum und von wem. Es sind meist Fans von Fußballklubs, die sich als traditionell bezeichnen. Fans die noch heute glauben, dass Fußball des Spaßes wegen gespielt wird. Vorrangig in ihren eigenen Klubs. Nehmen wir weiter die BvB-Fans als Beispiel. Sie sind Fans eines Klubs, der Mitte der 90er Geld regelrecht vernichtete. Das Management holte Spieler wie Möller, Kohler, Cesar, Amoroso oder Sousa, die mit millionenschweren Verträgen ausgestattet wurden und sich dadurch Erfolg kauften und den Verein an den Rand des Ruins wirtschafteten. Die Entscheidungsträger Niebaum/Meier gaben in Massen Geld aus, was am Ende nicht mehr vorhanden war. Als Traditionsklub ist das selbstverständlich duldenswert!?
Doch kaum ist Gras über die frühere komatöse Misswirtschaft gewachsen, nehmen sich grad diese Anhänger heraus über jeden Misston die Keule zu schwingen, der sich konträr des Tradiotionsdenkens bewegt. Ziel der Ausraster Dietmar Hopp, Bundesverdienstkreuzträger aus dem Jahr 1992. Hopp gründete die Softwarefirma SAP und ist seither Milliardenschwer. Aber nicht das zeichnet Hopp aus, Hopp zeichnet aus, dass er eine große gemeinnützige Philosophie verfolgt. Er gründete die Dietmar Hopp-Stiftung und übertrug ihr 70% seines Aktienanteils - der Wert: 4 Milliarden Euro! Aufgaben der Stiftung sind Förderungen in den Bereichen Sport, Medizin, Bildung und Soziales. Zudem unterstützt er mehrere medizinische Projekte. Er engagiert sich da, wo sich Tradition sonst verabschieden würde, beispielsweise im Eishockey in Mannheim. Doch der Fan, der sich gegen das Einkaufen dieser Leute wie Hopp oder Abramowitsch wehrt, sieht all dies nicht. Er sieht nur das Geld, was dazu verwenet wird einen Verein wie Hoffenheim aus dem Boden zu stampfen und sich den Erfolg damit erkaufen möchte. Klar, ist ja legitim, dass mit dem Geld gute Spieler verpflichtet werden. Doch ist das in Hoffenheim wie in Dortmund gewesen. Sind diese Ba’s, Obasi’s oder Ibisevic’s solch fertige Spieler wie Möller, Sammer, Cesar oder Amoroso gewesen? Mitnichten. Hoffenheim kaufte junge, erfolgshungrige und entwicklungsfähige Spieler. Spieler, die der Bundesliga nach dessen Aufstieg ein ganz anderes Flair einhauchen konnten. Und das wird bemängelt, weil es dem traditionellen Fan zu schnell geht? Scheinbar.
Der Spott und die Häme gegen Hopp schlug so hohe Wellen, dass am Samstag in Dortmund höchste Alarmstufe galt. Die Folge war, dass selbst im Bahnhof Hundertschaften von Polizei oder Security vor Ort war und schon da alle Fans “durchleuchtete”. Schade. Solcher Aktionismus, der von Nöten war aus Angst vor Übergriffen, stellen den sportlichen Wert komplett in den Schatten. Und das nur, weil ein ehrbarer Mann wie Hopp sich einfach nur engagiert. Es wäre schön, wenn es mehr von solchen Typen gäbe, die ihr Engagement in dieser Form nutzen würden, statt sich nur der Vermehrung ihres hohen Geldstamms zuzuwenden. Denn es gibt einen großen Unterschied, Hopp ist längst kein Typ, wie derer, die sich in England einkaufen. Kein Öl- und Gasmogul, der den gekauften Verein als Spielzeug nutzt. Hopps Bestreben ist es, dass sein investiertes Geld sich reinvestiert.

Wollen wir hoffen, dass ihm das gelingt und seine Kritiker sich eine Änderung ihrer Meinung vorbehalten.

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